Zu Beginn gilt es miteinander zu klären, welchen Bedarf und Wunsch Sie tatsächlich haben. Dazu ist es notwendig, dass Sie uns Ihr Anliegen und Ihre persönliche Situation authentisch darlegen. In dieser ersten Phase erhalten Sie von uns grundsätzliche Informationen und werden individuell beraten. Ob Sie nach dem Kontakt tatsächlich eine Anfrage für Sterbehilfe respektive ein Bewerbungsverfahren bei VOLUNTATE starten wollen, entscheiden Sie selbst. Unser Ziel ist es, von Beginn an die Basis für ein offenes und verantwortungsvolles Miteinander zu schaffen.
Sie haben Fragen zur legalen Freitodbegleitung in Deutschland oder zu Angeboten von VOLUNTATE? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt per Telefon, postalisch oder online auf. Schon bei dieser ersten Kontaktaufnahme sollten Sie uns Ihr Anliegen sowie Ihre Fragen und Wünsche konkret mitteilen, damit wir uns entsprechend vorbereiten können.
Ein Mitarbeiter von VOLUNTATE ruft sie zurück oder vereinbart mit Ihnen einen Gesprächstermin. Jetzt können Sie sich miteinander über Ihre individuellen Fragen austauschen und erhalten weiterführende Informationen. Bei konkretem Interesse für Sterbehilfe durch VOLUNTATE, senden wir Ihnen entsprechende Unterlagen per Briefpost oder per E-Mail zu. Darin sind die notwendigen Schritte beschrieben sowie die Rahmenbedingungen klar definiert.
Sie sichten sorgfältig die Akten und füllen die Formulare vollständig aus. Bitte organisieren Sie die erforderlichen medizinischen Unterlagen. Prüfen und unterzeichnen Sie alle notwendigen Erklärungen. Nehmen Sie sich dazu genügend Zeit und holen Sie sich bei Bedarf die Unterstützung von Angehörigen oder Freunden. Stellen Sie vor Versand der Bewerbungsunterlagen an VOLUNTATE die Vollständigkeit der Angaben und Unterlagen sicher. Damit unterstützen Sie die zeitnahe Bearbeitung durch VOLUNTATE.
Nach der Aufnahme ins „VOLUNTATE-Register für Sterbewillige“ können Sie die finale Vorbereitung und Durchführung einer Freitodbegleitung bei uns beauftragen. Danach wird ein Helferteam aus einem persönlichen Betreuer und dem freitodbegleitenden Arzt alle wichtigen Details klären und den Ablauf individuell entwickeln, wie er ihrer Situation und Ihren Bedürfnissen entspricht. Diese Zeit dient der weiteren Festigung Ihrer Entscheidung und der sorgfältigen Planung. Beziehen Sie bei den Gesprächen mit Ihrem Helferteam gern vertraute Angehörige oder engste Freunde mit ein. In dieser Phase kann schon viel für das Verständnis und eine bewusste Trauerbewältigung bei Zurückbleibenden geleistet werden. VOLUNTATE steht Ihnen bei jedem Schritt verständnisvoll und verlässlich zur Seite.
Ob ihr Wunsch zur Vermittlung einer ärztlich assistierten Freitodbegleitung durch VOLUNTATE unterstützt werden kann, wird Ihnen umgehend nach der Entscheidung durch das „Kompetenz-Team Sterbehilfe“ schriftlich mitgeteilt. Mit der Entscheidung zur Annahme ist auch die Aufnahme ins „VOLUNTATE-Register für Sterbewillige“ verbunden. Mit dem Bescheid an Sie werden Ihnen die bestätigte Vereinbarung, weiterführende Informationen und auch die erste Teilrechnung zugestellt.
Nach Aufnahme im VOLUNTATE-Register und der Begleichung Ihrer ersten Rechnung haben Sie sozusagen Ihren „Plan B“ in der Tasche. Das heißt, Sie können nun zeitnah oder auch erst im Verlauf die Vorbereitungen Ihrer gewünschten Freitodbegleitung bei VOLUNTATE in Auftrag geben. Sie dokumentieren mit diesem Schritt im Verfahren auch nochmals die Festigung und Dauerhaftigkeit ihres eigenen Entschlusses für ein selbstbestimmtes Lebensende. Nach Ihrer proaktiven Rückmeldung an VOLUNTATE für eine konkrete Planung erhalten Sie die Kontaktdaten zu Ihrem persönlichen Helferteam (Pate und Arzt), weitere detaillierte Informationen für eine Freitodbegleitung und die zweite Teilrechnung.
Der persönliche Betreuer wird bei VOLUNTATE auch „Pate“ genannt, denn diese Person übernimmt Verantwortung und kümmert sich persönlich um Sie sowie Ihre Bedürfnisse. Ihr Pate organisiert alle weiteren Schritte und ist Ihre direkte Anlaufstelle bei Fragen, Problemen und Wünschen. Sie werden von Ihrem Paten auch persönlich zu Ihrer Situation und Ihrem Sterbewunsch befragt, da er noch notwendige Dokumentationen im Zuge der Vorbereitungen für die Sterbehilfe erstellen muss. Auch für Ihre Angehörigen nimmt sich der Pate Zeit.
Neben dem persönlichen Paten wird auch ein durch VOLUNTATE beauftragter Arzt mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Dieser ist bereits mit Ihrem Fall vertraut und vereinbart mit Ihnen ein persönliches Gespräch bei Ihnen zu Hause. Hier werden die vorliegenden medizinischen Umstände und Rahmenbedingungen nochmals erfasst, alle noch offenen Fragen geklärt und auch Alternativen erörtert. Auf Basis dieses Gesprächs erstellt der Arzt einen detaillierten medizinischen Bericht, welcher für die rechtliche Absicherung der Freitodbegleitung notwendig ist. Insbesondere der Arzt selbst muss die lückenlose Erfüllung aller medizinischen und rechtlichen Voraussetzungen nochmals bestätigen und nicht zuletzt volles Vertrauen zum Sterbewilligen haben. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich gegenüber dem Arzt ehrlich mitteilen und authentisch öffnen. Denn am Ende trägt er allein die Verantwortung für die finale Begleitung und die rechtlichen Konsequenzen.
In den Gesprächen mit ihrem Paten und dem Arzt können Sie gern schon ihre Vorstellungen zum Zeitplan und sonstigen Wünschen ihrer Freitodbegleitung mitteilen (z. B. Datum, Ort, Anwesende). Wenn alle Gespräche geführt wurden und die Unterlagen vollständig sind, kann das finale Datum miteinander abgestimmt werden. Wichtig ist für Sie zu verinnerlichen, dass Sie jederzeit von dem Termin und prinzipiell bis zum letzten Moment von ihrem Entschluss zurücktreten können. Am Tag der Freitodbegleitung ist es jedoch wichtig, dass Sie weiterhin in der Lage sind, Ihren freien Willen zu äußern und die Tatherrschaft (selbständiges Öffnen des Medikamentenzuganges) ausführen zu können.
Die finale Phase einer Freitodbegleitung erfordert besondere Sensibilität und eine professionelle Vorbereitung. Sobald Sie bereit sind, kümmern wir uns um alle organisatorischen Schritte, damit Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Wichtig sind hierbei auch die Einbeziehung und Gespräche mit den engsten Angehörigen. Nehmen auch Sie sich dafür genügend Zeit und Muße. Gern unterstützen wir Sie dabei. Ihr persönlicher Pate und der begleitende Arzt sorgen als Ihr Helferteam dafür, dass alles sicher und menschlich respektvoll abläuft. Auch am Tag der Freitodbegleitung achten wir darauf, Ihre Wünsche zu berücksichtigen. Ihre Selbstbestimmung soll bis zuletzt gewahrt bleiben – begleitet von Würde, Menschlichkeit und liebevoller Fürsorge.
Nachdem Sie ein Datum mit Ihrem Paten und dem Arzt vereinbart haben, treffen die Beteiligten alle nötigen Vorbereitungen: die Dokumente werden erstellt, das Medikament und die Reisen werden organisiert. Änderungen Ihrerseits sind jederzeit möglich – Sie können den Ablauf unterbrechen oder ganz beenden. Sie bleiben der Regisseur Ihres Lebens und Sterbens bis zum Schluss. In dieser „besonderen“ Zeit ist auch die verständnisvolle Einbeziehung Ihrer Angehörigen wichtig, denn die bleiben zurück und müssen mit der außergewöhnlichen Situation klarkommen. Das Wissen um den bevorstehenden endgültigen Abschied eröffnet aber die Trauerphase schon vor dem Tod – das kann auch ein Geschenk und eine Chance sein. Sprechen Sie intensiv miteinander und nutzen sie die Zeit! Bei Bedarf leisten und vermitteln wir auch Unterstützung für Ihre engsten Angehörigen während dieser Phase.
Die Begleitung findet in der Regel bei Ihnen zu Hause an einem Ort Ihrer Wahl statt: im Bett, auf dem Sofa, auf der Terrasse oder im Garten. Sollte dies nicht möglich sein (z. B. im Pflegeheim), wird vorher eine Alternative gesucht und gefunden. Pate und Arzt kommen gemeinsam zu Ihnen. Die Umgebung und den Rahmen können Sie nach Ihren Bedürfnissen und Vorstellungen gestalten. Alle Anwesenden begegnen sich vertrauensvoll und besprechen nochmal den Anlass sowie den Ablauf. Vor Beginn Ihrer Freitodbegleitung unterzeichnen Sie noch zwei Formulare (Sterbewille-Erklärung und Garantenpflicht-Entbindung). Danach legt der Arzt den Venenzugang und prüft die korrekte Lage. Während eine Kochsalzlösung tropft, erfolgt ein letztes Gespräch zur Bestätigung Ihres freien Willens zu sterben. Erst dann wird das tödlich überdosierte Medikament angesteckt. Der Suizident öffnet selbstständig den Zulauf. Nach kurzer Zeit tritt ein tiefer Schlaf ein, ähnlich wie bei einer Narkose. Der Tod wird durch Herzstillstand festgestellt. Meistens kann die endgültige Todesbescheinigung vor Ort durch den begleitenden Arzt ausgestellt werden.
Bei einem „nicht-natürlichen Tod“ muss immer die Kriminalpolizei informiert werden. Das Helferteam wartet gemeinsam mit den anderen Anwesenden auf die Beamten. Die vorbereiteten Unterlagen werden neben mündlichen Informationen an die Kripo übergeben. Nach Prüfung der Umstände und informellen Befragungen wird der Leichnam entweder durch einen Polizeibestatter transportiert oder nach telefonischer Rücksprache mit dem Staatsanwalt zur Abholung durch den Wunschbestatter freigegeben. In der Regel verläuft die Zusammenarbeit mit den Behörden respektvoll und reibungslos.
VOLUNTATE unterstützt auch nach der Begleitung Angehörige und Freunde, sofern diese es wünschen. Vertrauen, das bereits im Vorfeld aufgebaut wurde, wird durch passende Angebote zur Trauerbewältigung vertieft.
Im VOLUNTATE-Team wird zum Gedenken an jeden Menschen, der durch unsere Freitodbegleitung den selbstbestimmten Abschied gewählt hat, ein symbolischer Schmetterling auf die Erinnerungswand gesetzt. So bleiben die Menschen mit ihrer Geschichte auch bei uns unvergessen.
(Personenbezeichnungen und -Abkürzungen stehen für alle Geschlechter gleichermaßen.)